{"id":4791,"date":"2019-01-28T14:25:49","date_gmt":"2019-01-28T12:25:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cafiro.de\/rauchzeichen\/?p=4791"},"modified":"2023-01-27T13:24:49","modified_gmt":"2023-01-27T11:24:49","slug":"der-ofenbau-im-wandel-der-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cafiro.de\/rauchzeichen\/der-ofenbau-im-wandel-der-zeit\/","title":{"rendered":"<b>Der Ofenbau im Wandel der Zeit<\/b>"},"content":{"rendered":"\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-4793 size-full linkmaske\" src=\"\/rauchzeichen\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/kachelofen_wei\u00df.jpg\" alt=\"Kachelofen wei\u00df\" data-id=\"post-link-4791\" width=\"702\" height=\"361\" srcset=\"https:\/\/www.cafiro.de\/rauchzeichen\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/kachelofen_wei\u00df.jpg 702w, https:\/\/www.cafiro.de\/rauchzeichen\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/kachelofen_wei\u00df-300x155.jpg 300w, https:\/\/www.cafiro.de\/rauchzeichen\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/kachelofen_wei\u00df-624x322.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 702px) 100vw, 702px\" \/><\/p>\n\n\n\n<p>\u00d6fen mit hohem Wirkungsgrad und optimaler Effizienz sind heute eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Dass Heizquellen neben einer guten W\u00e4rmeausbeute auch ein attraktives Aussehen boten, war jedoch nicht immer so. Bei den ersten Raum\u00f6fen handelte es sich vielmehr um eher leistungsschwache Apparaturen, die gro\u00dfe Mengen an Brennmaterialien verbrauchten und als klobige Kolosse das Ambiente beeintr\u00e4chtigten.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie Kachel\u00f6fen W\u00e4rme in die Wohnstube brachten<\/h2>\n\n\n\n<p>Die genauen Anf\u00e4nge des professionellen Ofenbaus lassen sich nicht pr\u00e4zise eingrenzen. Bemerkenswert ist aber, was vermutlich im 8. Jahrhundert geschah: Forschungen deuten daraufhin, dass in dieser Zeit erste einfache \u00d6fen mit Kacheln ausgestattet wurden, um dadurch eine bessere W\u00e4rmeabstrahlung zu erzielen. Dabei handelte es sich wahrscheinlich um Frontlader aus Lehm und Stein.\n<br><br>\nAb dem 11. Jahrhundert kamen indes Hinterlader in Umlauf: Bei diesen wurde der Ofen von einem anderen Raum \u2013 meist der K\u00fcche \u2013 aus befeuert, um innerhalb des Wohnzimmers W\u00e4rme zu erzeugen. Mangels eigenem Schornstein wurde der Ofen mit offener Heizt\u00fcr betrieben.\nDer Rauch dr\u00e4ngte also in den Aufstellraum und stieg dort, sofern vorhanden, in eine Esse auf. In der beheizten Stube selbst bekam man vom Rauchaufkommen nichts mit. Fortan wurde der Kachelofen immer popul\u00e4rer, zun\u00e4chst im Alpenraum, sp\u00e4ter auch im Norden.\n<br><br>Die Funktionsweise von Kachel\u00f6fen blieb lange Zeit unver\u00e4ndert. Es wurde jedoch immer wieder dazu aufgerufen, den Holzverbrauch zu reduzieren.<br><br>In der Folge wurden zu diesem Thema viele Sparschriften produziert und Privilegien erteilt. Als Resultat eines Wettbewerbs aus dem Jahr 1763 wurde durch Johann Paul Baumer die erste wissenschaftliche Untersuchung des Kachelofens vorgelegt. Dennoch blieb das Problem der mangelhaften Energieeffizienz lange bestehen. Noch 1790 forderte etwa der Merseburger Johann Wilhelm Chryselius sowohl sparsamere als auch ansehnlichere Ofenkonstruktionen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Kachelofen im kulturgeschichtlichen Wandel<\/h2>\n\n\n\n<p>Es war das \u00e4u\u00dfere Erscheinungsbild des Kachelofens, welches sich im Laufe der Zeit stetig ver\u00e4nderte. Je nach vorherrschender Kulturepoche fiel das Design des Ofens eher prunkvoll, zur\u00fcckgenommen oder verspielt aus. Der besondere Blickfang waren dabei immer die verwendeten Kacheln, die je nach Verm\u00f6gen der Besitzer schlicht oder aufw\u00e4ndig gefertigt wurden. <br><br>W\u00e4hrend sich arme Familien viele Jahrhunderte nicht einmal einen einfachen Kachelofen leisten konnten, erinnerten die Exemplare in Schl\u00f6ssern, Burgen und Kl\u00f6stern an regelrechte Kunstwerke, die zugleich auch ein Spiegel der Zeit waren. In der Gotik bestanden verkachelte Heiz\u00f6fen etwa aus einem Oberteil, einem Unterteil sowie einem Fu\u00df und trugen beispielsweise prachtvolle Glasuren mit Heiligendarstellungen.<br><br>In der Renaissance zierten indes eher humanistische Darstellungen den Ofenkorpus. Ab der Barockzeit erfolgte hingegen die Einordnung des Ofens in das Gesamtbild der Stube \u2013 dementsprechend waren viele Zimmer\u00f6fen wie M\u00f6belst\u00fccke gestaltet.<br><br>Im verspielten Rokoko kamen Umschlag- bzw. \u00dcberschlag\u00f6fen in Mode \u2013 hierbei wurde die Heizquelle mit einer Tonschicht \u00fcberzogen. Anschlie\u00dfend zerschnitt, brannte und f\u00fcgte man den Ton wieder so zusammen, dass es den Anschein machte, er w\u00e4re aus einem Guss.\n <br><br>Im Klassizismus wurden Raum\u00f6fen hingegen als Sockel f\u00fcr Vasen und Skulpturen genutzt, w\u00e4hrend man im Historismus nochmal s\u00e4mtliche Epochen neu aufleben lie\u00df, auch diejenigen, die noch nicht ansatzweise energieeffizient waren. Danach entwickelte man schlie\u00dflich neue, formsch\u00f6ne \u00d6fen, welche jedoch durch Zentralheizungen und Radiatoren verdr\u00e4ngt wurden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie der Ofenbau sich entwickelte<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Planung und Erschaffung von <a href=\"https:\/\/www.cafiro.de\/rauchzeichen\/steinofen-und-kachelofen-schmerzen-und-rheuma-lindern\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Kachel\u00f6fen (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">Kachel\u00f6fen<\/a> erforderte eine hohe Expertise: Bereits das Vermessen und Ausgestalten einer jeden Kachel war eine aufw\u00e4ndige Kunst, die Herstellung und Platzierung derselben hingegen ein anstrengendes Handwerk. Mittels verschiedener Naturstoffe wurde die Kachel unter enormer Hitzezufuhr gebrannt, danach ging es an die Feinarbeiten \u2013 die fertig gebrannten St\u00fccke wurden nachbearbeitet, bemalt und glasiert.<br><br>Jedoch war es f\u00fcr die Ofenbauer \u2013 in fr\u00fcheren Zeiten synonym oft auch T\u00f6pfer oder Hafner genannt \u2013 nicht immer einfach, in ihrem Handwerk die notwendige Anerkennung zu finden. Lange Zeit mussten sie sich mit ungeregelten Bedingungen, auch was die Bezahlung anging, zufrieden geben. Inmitten von Privilegien und Sparofenschriften war es an der Zeit, dass die Zunft der T\u00f6pfer bessere Umst\u00e4nde f\u00fcr ihre Arbeit erhielt.<br><br>Unter anderem die wissenschaftliche Arbeit von Baumer brachte Impulse f\u00fcr einen Wandel im Ofenbauhandwerk \u2013 aus Baumers Erkentnnissen ging sp\u00e4ter der \u201eBerliner Ofen\u201c mit schlichter rechteckiger Bauweise und dezent gl\u00e4nzender Oberfl\u00e4che hervor, der Anfang des 19. Jahrhunderts Einzug in b\u00fcrgerliche Stuben finden sollte. Ein General-Privilegium und ein Gilde-Brief f\u00fchrten zu geregelteren Bedingungen f\u00fcr die Aus\u00fcbung des Berufs als Ofenbauer. Das General-Privilegium hielt etwa die Voraussetzungen f\u00fcr die Erlangung des Meisterranges fest:\n<br><br>\nEin Lehrbrief, ein F\u00fchrungszeugnis sowie drei Jahre Berufserfahrung waren zum Beispiel erforderlich, um beim \u201eGewerkaltmeister\u201c eine Pr\u00fcfung ablegen zu k\u00f6nnen. Dar\u00fcber hinaus musste man f\u00fcr einen erfolgreichen Abschluss praktische \u00dcbungen absolvieren und eine vergleichsweise hohe Geb\u00fchr von acht bis zehn Reichstalern begleichen.<br><br>Wer indes das T\u00f6pferhandwerk erlernen wollte, musste um 1720 drei Jahre lang bei einem Meister in die Lehre gehen, nachdem er zun\u00e4chst Fertigkeiten wie Lesen, Schreiben und Katechismus-Grundkenntnisse unter Beweis gestellt hatte. Starb der eigene Meister innerhalb der Lehrzeit, wurde der Lehrling an einen anderen verwiesen.<br><br>Strikte Anforderungen stellte man auch an den ausgelernten Gesellen: Unter Aus\u00fcbung eines gottesf\u00fcrchtigen Lebens ohne s\u00fcndhafte Ausschweifungen sollte er auf \u201eWanderschaft\u201c gehen und in Herbergen unterkommen. Hier war ein Ofenbaugeselle quasi bei Bedarf von einem Meister ausw\u00e4hlbar und konnte dann f\u00fcr diesen \u2013 zu dessen Konditionen \u2013 arbeiten. Da es zu jener Zeit noch keine einheitlichen Geh\u00e4lter f\u00fcr Gesellen gab, lag die H\u00f6he der Bezahlung im Ermessen des Meisters.    \n <br><br>1889 kam es zur Gr\u00fcndung des Hauptverbandes selbstst\u00e4ndiger T\u00f6pfermeister und Ofenfabrikanten. In der Folge verst\u00e4rkten sich die Forderungen nach einem einheitlichen Lohn. Immer mehr Gesellen legten ihre Arbeit nieder. Als Reaktion wurden vom Verband der Arbeitgeber Schulen f\u00fcr Ofensetzer errichtet. Da kurzfristig angelernte Kr\u00e4fte &#8211; deren Zahl zudem niedrig war, da sie Lehrgeld zahlen mussten &#8211; auf Dauer aber kein Ersatz f\u00fcr die Gesellen waren, einigte man sich mit den Streikenden schlie\u00dflich auf eine Erh\u00f6hung des Lohns um f\u00fcnf Prozent. <br><br>In den folgenden Jahren gelang es dem Ofenbauhandwerk, sich als hochangesehene Zunft zu etablieren. Im b\u00fcrgerlichen Haushalt wurde insbesondere der Kachelofen sehr beliebt und war dementsprechend stark nachgefragt &#8211; der Ofenbau florierte.  <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Kachelofen heute<\/h2>\n\n\n\n<p>Aufgrund von Aspekten wie der Energiewende und steigenden Energiepreisen steht der Kachelofen auch heutzutage wieder zunehmend im Fokus des Interesses. Hocheffiziente Energieeigenschaften und moderne Funktionen erlauben eine optimale Anpassung an die individuellen Erfordernisse des Zuhauses. <\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend der Ofenbau mittlerweile vielfach als DIY-Projekt angegangen wird, kann aber auch die Profibranche vom modernen Zeitgeist profitieren. Der Wunsch nach personalisiert gestalteten Kacheln, etwa, ist wohl nur von einem Fachmann zu erf\u00fcllen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00d6fen mit hohem Wirkungsgrad und optimaler Effizienz sind heute eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Dass Heizquellen neben einer guten W\u00e4rmeausbeute auch ein attraktives Aussehen boten, war jedoch nicht immer so. Bei den ersten Raum\u00f6fen handelte es sich vielmehr um eher leistungsschwache Apparaturen, die gro\u00dfe Mengen an Brennmaterialien verbrauchten und als klobige Kolosse das Ambiente beeintr\u00e4chtigten.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[181,142,268],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.cafiro.de\/rauchzeichen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4791"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.cafiro.de\/rauchzeichen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.cafiro.de\/rauchzeichen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cafiro.de\/rauchzeichen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cafiro.de\/rauchzeichen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4791"}],"version-history":[{"count":31,"href":"https:\/\/www.cafiro.de\/rauchzeichen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4791\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4835,"href":"https:\/\/www.cafiro.de\/rauchzeichen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4791\/revisions\/4835"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.cafiro.de\/rauchzeichen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4791"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cafiro.de\/rauchzeichen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4791"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cafiro.de\/rauchzeichen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4791"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}