{"id":2474,"date":"2016-06-14T16:14:55","date_gmt":"2016-06-14T14:14:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schornsteinmarkt.de\/rauchzeichen\/?p=2474"},"modified":"2018-11-29T20:15:38","modified_gmt":"2018-11-29T18:15:38","slug":"die-l99-zulassung-edelstahl-mit-ueberraschungsfaktor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cafiro.de\/rauchzeichen\/die-l99-zulassung-edelstahl-mit-ueberraschungsfaktor\/","title":{"rendered":"<b>Die L99 Zulassung<\/b> \u2013 Edelstahl mit \u00dcberraschungsfaktor?"},"content":{"rendered":"<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-2478 size-full linkmaske\" title=\"Kaminbausatz vs. Die L99 Zulassung - Edelstahl mit \u00dcberraschungsfaktor\" src=\"\/rauchzeichen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/edelstahlrohre.jpg\" alt=\"Edelstahlrohre mit verschiedenen Durchmessern\" width=\"702\" height=\"361\" data-id=\"post-link-2474\" srcset=\"https:\/\/www.cafiro.de\/rauchzeichen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/edelstahlrohre.jpg 702w, https:\/\/www.cafiro.de\/rauchzeichen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/edelstahlrohre-300x154.jpg 300w, https:\/\/www.cafiro.de\/rauchzeichen\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/edelstahlrohre-624x321.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 702px) 100vw, 702px\" \/>\n<p>Bei einem <a class=\"kwic-link-replace\" href=\"https:\/\/www.cafiro.de\/edelstahlschornstein\/\" >Edelstahlschornstein<\/a> kommt es f\u00fcr optimales Funktionieren, Energieeffizienz und Umweltfreundlichkeit nicht nur auf die Konstruktion, sondern auch das Material der Schornsteine und \u00d6fen an. Nat\u00fcrlich sollten auch die Zusammensetzung und die Materialeigenschaften des eingesetzten Edelstahls bekannt sein. Mit der L99 Zulassung hebelt das EU-Recht die Transparenz im Hinblick auf den verwendeten Edelstahl f\u00fcr Schornsteine, Kamin\u00f6fen und nat\u00fcrlich auch andere Produkte aus.<!--more--><\/p>\n<h2>Edelstahl &#8211; was ist das eigentlich?<\/h2>\n<p>Die Qualit\u00e4t von Stahl wird heute in der Regel anhand der EU-Norm EN 10020 definiert. Stahl ist demnach ein Werkstoff, dessen Masse durch Eisen dominiert wird, obwohl er andere Elemente enthalten kann und dessen Kohlenstoffanteil den Wert von 2,06 Prozent nicht \u00fcberschreitet. Mit Ausnahme einiger Chromst\u00e4hle mit einem h\u00f6heren Kohlenstoffanteil liegt hier die Grenze zwischen Gusseisen und Stahl. Auch die zul\u00e4ssigen Grenzwerte zwischen unlegiertem und legiertem Stahl werden in der EN10020 f\u00fcr Beimengungen anderer Elemente &#8211; Aluminium, Chrom, Kupfer &#8230; &#8211; detailliert beschrieben. Bei legiertem Stahl \u00fcberschreitet mindestens ein enthaltenes Element diese Grenzen. Weitere Normungen betreffen die Bezeichnungssysteme f\u00fcr St\u00e4hle aufgrund von Kurznamen (EN 10027-1) sowie eines Nummernsystems (EN 10027-2). F\u00fcr Stahlerzeugnisse gelten die Begriffsbestimmungen nach EN 10079.<\/p>\n<p>Ferner sieht das europ\u00e4ische Normsystem f\u00fcr Stahl eine Unterscheidung in drei gro\u00dfe Gruppen &#8211; unlegierte St\u00e4hle, nicht rostende St\u00e4hle, andere legierte St\u00e4hle &#8211; sowie f\u00fcnf Hauptg\u00fcteklassen vor, die sich in zahlreiche Untergruppen und entsprechende Einzelnormen unterteilen. Zu den Hauptg\u00fcteklassen f\u00fcr Stahl geh\u00f6ren:<\/p>\n<ul>\n<li>Unlegierter Qualit\u00e4tsstahl<\/li>\n<li>Unlegierter Edelstahl<\/li>\n<li>Nicht rostender Stahl<\/li>\n<li>Legierter Qualit\u00e4tsstahl<\/li>\n<li>Legierter Edelstahl<\/li>\n<\/ul>\n<p>Alle St\u00e4hle werden innerhalb dieser Systematik mit einer Kurzbezeichnung aus Haupt- und Zusatzsymbolen versehen. Diese verweisen entweder auf ihre Herstellungsart, ihren Verwendungszweck sowie ihre mechanischen und\/oder physikalischen Eigenschaften (Gruppe 1) oder ihre chemischen Merkmale (Gruppe 2). Diese Klassifikationen sind gleichzeitig die offiziellen Zulassungsbezeichnungen f\u00fcr den jeweiligen Stahl, aus denen wichtige Materialeigenschaften und Qualit\u00e4tsmerkmale ersichtlich sind.<\/p>\n<p>Edelstahl ist in der Definition der EN 10027-2 eine Bezeichnung f\u00fcr unlegierte oder legierte St\u00e4hle mit besonders hohem Reinheitsgrad. Entgegen der landl\u00e4ufigen Meinung m\u00fcssen Edelst\u00e4hle \u00fcbrigens nicht zwangsl\u00e4ufig die Anforderungen an einen nicht rostenden Stahl erf\u00fcllen. Einige Edelstahlsorten weisen auch magnetische Eigenschaften auf. In jedem Fall werden bei Edelstahl die Materialeigenschaften und bei legierten Edelst\u00e4hlen auch die Legierungsanteile sehr exakt definiert und in den Kurzbezeichnungen entsprechend angegeben.<\/p>\n<h2>Verschiedene Sorten und Qualit\u00e4ten f\u00fcr Edelstahl &#8211; was ist zu beachten?<\/h2>\n<p>Edelstahl wird in zwei Hauptg\u00fcteklassen eingeteilt:<\/p>\n<ul>\n<li>Unlegierter Edelstahl erf\u00fcllt hohe Anforderungen an ihren Reinheitsgrad im Hinblick auf metallische und nichtmetallische Einschl\u00fcsse in das Material. Beispielsweise werden w\u00e4hrend ihrer Herstellung durch besondere Verfahren Bestandteile wie Silizium oder Aluminium aus dem Schmelzgut abgeschieden. Oft sind sie f\u00fcr weitere Verg\u00fctungen &#8211; unter anderem Oberfl\u00e4chenh\u00e4rtungen &#8211; vorgesehen. Die Herstellungsbedingungen und die Feinjustierung der chemischen Zusammensetzung unlegierter Edelst\u00e4hle bewirken unterschiedliche Material- und Gebrauchseigenschaften wie H\u00e4rtbarkeit, Festigkeit, Schwei\u00dfeignung und Verformbarkeit.<\/li>\n<li>Legierter Edelstahl besteht nicht nur aus Eisen und Kohlenstoff, sondern enth\u00e4lt weitere Legierungselemente. Hieraus resultieren Eigenschaften wie die Korrosions- und S\u00e4urebest\u00e4ndigkeit rostfreier Edelst\u00e4hle oder Hitze- und W\u00e4rmebest\u00e4ndigkeit. Auch W\u00e4lzlagerst\u00e4hle, Werkzeugst\u00e4hle oder St\u00e4hle f\u00fcr den Stahl- und Anlagenbau bestehen oft aus legiertem Edelstahl. Von hochlegiertem Edelstahl ist immer dann die Rede, wenn der Massenanteil eines Legierungselementes die F\u00fcnf-Prozent-Marke \u00fcberschreitet.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die h\u00e4ufigsten Legierungselemente f\u00fcr legierten Edelstahl sind Chrom, Nickel, Molybd\u00e4n, Titan, Niob, Wolfram, Vanadium oder Kobalt. Sie k\u00f6nnen als einzelne Legierungselemente oder in Kombinationen gefertigt werden. Beispielsweise muss rostfreier Edelstahl mindestens 13 Prozent Chrom enthalten, Zus\u00e4tze von Nickel und oder Molybd\u00e4n verst\u00e4rken die Korrosionsbest\u00e4ndigkeit des Stahls. Wolfram wird zusammen mit Molybd\u00e4n, Kobalt und Vanadium f\u00fcr besonders hitzebest\u00e4ndige Edelst\u00e4hle eingesetzt. Kobalt wird f\u00fcr die Produktion von hochfestem Edelstahl verwendet.<\/p>\n<h2>Welche Informationen enth\u00e4lt die Kurzbeschreibung von legiertem Edelstahl?<\/h2>\n<p>Einmal abgesehen von der generalisierten L99 Zulassung werden legierte Edelst\u00e4hle mit einer aus Zahlen und Buchstaben bestehenden Kurzbezeichnung sowie einer Werkstoff-Nummer ausgeliefert. Die Beschreibung eines legierten Edelstahls liest sich dann zum Beispiel folgenderma\u00dfen: X5CrNi18-10, Werkstoff-Nummer 1.4301. Hinter dieser Beschreibung verbergen sich unter anderem die folgenden Informationen:<\/p>\n<ul>\n<li>X5 &#8211; hochlegierter Edelstahl<\/li>\n<li>18 Prozent Chrom-Anteil (Cr)<\/li>\n<li>10 Prozent Nickel-Anteil (Ni)<\/li>\n<li>43 &#8211; nicht rostend, Nickel-Anteil &lt; 2,5 Prozent, ohne Molybd\u00e4n, Niob und Titan<\/li>\n<\/ul>\n<p>Au\u00dferdem geben Kurzbezeichnung und Werkstoffnummer Aufschluss \u00fcber W\u00e4rmebehandlungszustand, Zugfestigkeit und Dehnungseigenschaften, H\u00e4rte, Dichte, W\u00e4rmeleitf\u00e4higkeit, W\u00e4rmeausdehnung sowie die Kerbschlagz\u00e4higkeit (Widerstandsf\u00e4higkeit gegen schlagartige, dynamische Beanspruchung) eines Edelstahls.<\/p>\n<h2>Die g\u00e4ngigsten Sorten f\u00fcr Edelstahlprodukte<\/h2>\n<p>Die g\u00e4ngigsten Sorten f\u00fcr Edelstahlprodukte sind Edelst\u00e4hle mit den Werkstoffnummern 1.4404, 1.4571 und 1.4301. Dabei handelt es sich um korrosionsbest\u00e4ndige Edelst\u00e4hle mit guter Schmiedbarkeit und ausgezeichneter Schwei\u00dfeignung, die f\u00fcr den Einsatz bei tiefen, aber auch bei hohen Temperaturen bis 550 \u00b0C geeignet sind. F\u00fcr <a href=\"\/edelstahlschornstein\/\">Edelstahlschornsteine<\/a> und Edelstahlkamine wird am h\u00e4ufigsten die Qualit\u00e4t 1.4404 verwendet. Dabei handelt es sich um einen besonders robusten, s\u00e4ure- und korrosionsbest\u00e4ndigen Edelstahl.<\/p>\n<h2>Die L99 Zulassung als generalisierte Zulassung f\u00fcr Edelstahl &#8211; wo liegt das Problem?<\/h2>\n<p>Die L99 Zulassung ist eine Generalzulassung f\u00fcr alle Edelstahlprodukte. Sie stellt dem Hersteller frei, f\u00fcr die Produktion eine beliebige Edelstahl-Legierung zu verwenden. Inzwischen kommen in immer gr\u00f6\u00dferem Umfang auch Edelstahlschornsteine und Edelstahlkamine aus solchen undefinierten Legierungen auf den Markt. Auch ein gro\u00dfer Markenhersteller hat sich f\u00fcr die Produktion von <a href=\"\/edelstahlschornstein\/\">Schornsteinsystemen<\/a> mit L99 Zulassung entschieden. Zum Teil besteht ein solcher Edelstahlschornstein oder Edelstahlkamin komplett aus L99 Material, bei anderen Modellen wird nur das Schornstein- oder Kamin-Innere daraus gefertigt.<\/p>\n<p>Die exakten Deklarierungen der Materialeigenschaften und gegebenenfalls der Legierungselemente f\u00fcr Edelstahl im Rahmen der bisherigen Normierung fallen bei Edelstahl mit einer L99 Zulassung weg. F\u00fcr den Kunden ist eine eigenst\u00e4ndige Qualit\u00e4tsbeurteilung des erworbenen Edelstahlproduktes nicht mehr m\u00f6glich. Vielmehr ist er daf\u00fcr vollst\u00e4ndig auf die Angaben des Herstellers angewiesen, der nicht verpflichtet ist, die Eigenschaften von Edelstahl mit einer L99 Zulassung im Detail zu deklarieren.<\/p>\n<h2>L99 Zulassung &#8211; inklusive offener Haftungsfragen<\/h2>\n<p>Manche Anbieter schreiben auch bei Edelstahlprodukten mit einer L99 Zulassung zus\u00e4tzlich oder nur die Qualit\u00e4t 1.4404 aus. Ob diese der Realit\u00e4t entspricht, ist durch den Kunden jedoch nicht mehr pr\u00fcfbar und in vielen F\u00e4llen fraglich. Im ung\u00fcnstigsten Fall bleiben bei einem L99 Edelstahlerzeugnis statt umfassender und objektiver Produktinformationen anhand der europ\u00e4ischen Normvorgaben nur noch Werbeversprechen \u00fcbrig. Im Alltag kann daraus mehr als eine unliebsame \u00dcberraschung resultieren.<\/p>\n<p>Aus der L99 Zulassung ergeben sich damit auch neue &#8211; und wenig kundenfreundliche &#8211; Bedingungen f\u00fcr die Haftung der Hersteller bei Qualit\u00e4tsm\u00e4ngeln von Edelstahlprodukten. In der Praxis d\u00fcrfte eine Haftung eher unwahrscheinlich sein: Was nicht exakt definiert ist, kann seitens der Kunden auch nicht eingefordert werden. Ob die falsche Angabe der 1.4404 oder anderer deklarierter Edelstahlqualit\u00e4ten im Ernstfall abmahnf\u00e4hig ist, bleibt bisher v\u00f6llig offen.<\/p>\n<h2>L99 &#8211; politische Entscheidung als &#8222;Hilfe&#8220; f\u00fcr die Stahlerzeuger?<\/h2>\n<p>Die Entwicklung auf dem Stahlmarkt legt die dringende Vermutung nahe, dass die L99 Zulassung von Edelstahl vor allem eine politische Entscheidung ist, die den Stahlerzeugern helfen soll. Von Kunden- und Verbraucherschutz ist in diesem Kontext naturgem\u00e4\u00df nicht oder kaum die Rede.<\/p>\n<p>Seit dem Beginn der 2000er Jahre sind nicht nur die europ\u00e4ischen Stahlhersteller unter anderem durch die Wandlung Chinas vom Stahlimporteur zum Exporteur im gro\u00dfen Stil immer st\u00e4rker unter Druck geraten. Die gesamte Branche leidet unter permanenten \u00dcberkapazit\u00e4ten. Hinzu kommen die ehrgeizigen &#8211; und im Zweifelsfall wenig realistischen &#8211; Klimaziele der EU.<\/p>\n<p>Bisher stuft Br\u00fcssel die Stahlindustrie als eine Branche ein, bei der durch hohe Emissionshandelskosten Produktionsverlagerungen an Standorte au\u00dferhalb der europ\u00e4ischen Gemeinschaft drohen w\u00fcrden. Aus diesem Grund erhielten die Stahlerzeuger die gesetzlich vorgeschriebenen Emissionszertifikate lange gratis zugeteilt. Ab 2017 werden die Stahlkocher jedoch Emissionsrechte kaufen m\u00fcssen. Die Grenzwerte f\u00fcr die zul\u00e4ssigen CO2-Emissionen liegen derzeit bei 1.328 kg pro Tonne Roheisen &#8211; bislang werden sie von keinem einzigen Hochofen innerhalb der EU erf\u00fcllt. Wenn \u00d6fen und\/oder Grenzwerte nicht ver\u00e4ndert werden, m\u00fcssten allein die deutschen Stahlerzeuger im Jahr 2021 Emissionsrechte im Wert von 657 Millionen Euro kaufen, zus\u00e4tzlich erg\u00e4ben sich indirekte Kosteneffekte in H\u00f6he von 456 Euro. Im Gegenzug stellt die EU hier an einem anderen Punkt die Weichen neu: Die L99 Zulassung erm\u00f6glicht deutliche Qualit\u00e4tsabstriche und damit Kostensenkungen bei der Produktion von Edelstahl.<\/p>\n<p><strong>Fazit:<\/strong><\/p>\n<p>Kunden, die einen Edelsteinschornstein, einen Edelstahlkamin oder andere Edelstahlprodukte erwerben wollen, sollten sich dabei f\u00fcr Erzeugnisse entscheiden, die nach den bisher \u00fcblichen EU-Normen deklariert sind. Die neuen Produkte mit einer L99 Zulassung erm\u00f6glichen keine Qualit\u00e4tsbeurteilung des Edelstahls und des Gesamtproduktes. Die Anerkennung von Haftungsanspr\u00fcchen gegen\u00fcber dem Hersteller aufgrund von Materialm\u00e4ngeln bei einem Edelstahlschornstein oder Edelstahlkamin mit einer L99 Zulassung sind aufgrund der nicht mehr transparenten und durch detaillierte Normen abgesicherten Materialzusammensetzungen und Materialeigenschaften unwahrscheinlich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei einem Edelstahlschornstein kommt es f\u00fcr optimales Funktionieren, Energieeffizienz und Umweltfreundlichkeit nicht nur auf die Konstruktion, sondern auch das Material der Schornsteine und \u00d6fen an. Nat\u00fcrlich sollten auch die Zusammensetzung und die Materialeigenschaften des eingesetzten Edelstahls bekannt sein. 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